Antidepressiva

May 01
Antidepressiva

Antidepressiva – Medikamente, Wirkung, Nebenwirkungen

Energie, Freude und Erleichterung. Endlich wieder einmal voller Tatendrang und Optimismus einen Tag angehen. Von diesen Dingen träumst du in Zeiten, in denen dich eine depressive Episode heimsucht. Und genau diese Gefühle versprechen sich die meisten Menschen von Antidepressiva.

Sicherlich kennst du diese Situation. Du hast ein Problem und hättest am liebsten einfach die magische Pille, die augenblicklich all deine Probleme löst. Je stärker du leidest, desto größer wird der Wunsch nach der schnellen Lösung. Jetzt sofort soll sich etwas verändern!

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Medikamente einzunehmen stellt für dich und den Arzt die einfachste Lösung dar und deshalb werden Antidepressiva oft als die Wunderpille angesehen. Doch in der Realität ist die einfachste selten die beste und nachhaltigste Lösung.

Was sind Antidepressiva?

Antidepressiva sind auch unter dem Namen Stimmungsaufheller bekannt und genau das was der Name erahnen lässt, soll mit ihnen auch bewirkt werden.

Es handelt sich bei Antidepressiva um pharmazeutische Medikamente, die in dein Gehirn eingreifen, deine Ausschüttung von Hormonen beeinflussen und dir einen Stimmungsaufschwung bringen sollen.

Antidepressiva

Antidepressiva

Denn Depressionen gehen mit einem Mangel an Botenstoffen einher, der durch den Wirkstoff behoben werden soll. Die Hormone Serotonin und Noradrenalin sind bei Depressiven deutlich geringer vorhanden als bei psychisch gesunden Menschen.

Bis heute ist unklar, ob dieser Mangel an Glückshormonen die Ursache oder Folge einer Depression ist.

Es ist das Ziel der Antidepressiva, die Präsenz der anregenden Botenstoffe im Gehirn zu erhöhen und dein Stimmungslevel wieder auf den Standard zu bringen.

Der Konsum von Antidepressiva ist in den letzten Jahren radikal angestiegen. Es gibt kaum ein anderes Medikament, dessen Nachfrage sich derart erhöht hat. Laut des letzten OECD Gesundheitsberichts von 2013 hat sich der Verbrauch seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt.

Damals kam Deutschland auf 21 Tagesdosen für 1000 Einwohner, im Jahr 2013 waren es bereits 53 Tagesdosen. Und in den Jahren 2014 und 2015 ist der Verbrauch laut vorläufigen Schätzungen weiterhin gestiegen.

Wann ist die Anwendung eines Antidepressivums sinnvoll?

Der Vorteil einer Behandlung mit Antidepressiva ist ihre schnelle Wirkung und der geringe Aufwand.

Ein Antidepressivum wird nie deine Probleme in Rauch auflösen, jedoch kann es in sehr schlimmen Fällen vorübergehend für mehr Energie und neue Positivität sorgen, sodass es dir unter Umständen leichter möglich ist, deine Probleme selbst zu bewältigen.

Wenn du es gar nicht mehr schaffst das Bett zu verlassen, dir sämtlicher Antrieb fehlt und du selbst für Essen und Zähneputzen nicht mehr genug Kraft hast, ist die Anwendung von Antidepressiva sinnvoll.

Dabei handelt es sich um Fälle von schweren Depressionen, bei denen dies eine der erfolgversprechendsten Behandlungsmöglichkeiten ist. Bei anderen Behandlungsmöglichkeiten solltest du mit Antidepressiva vorsichtig sein, denn selbst moderne Antidepressiva bringen in den meisten Fällen gewisse Nebenwirkungen mit sich. Und sobald sie abgesetzt werden, ist die Wirkung wieder verschwunden.

In den Fällen einer mittelschweren oder leichten Depression gibt es bereits viele alternative Behandlungsmöglichkeiten welche nicht nur gesünder sind und keine Nebenwirkungen mit sich bringen, sondern auf Dauer auch effizienter sind und glücklicher machen.

Denn Antidepressiva sind keine nachhaltig Lösung. Sie unterdrücken lediglich die Symptome der Depression und behandeln nicht ihre Ursache.

Daher ist es für dich unter Umständen besser, dich erst gut zu informieren und auch nach anderen Möglichkeiten Ausschau zu halten.

Welche Medikamente gibt es gegen Depressionen?

Bis Mitte des letzten Jahrhunderts galten psychische Krankheiten als schleierhaft und  unbehandelbar. Noch heute ist das Gehirn von allen Körperteilen am wenigsten erforscht. Viele Fragen sind offen und sogar die Wirkung von modernen Medikamente ist nicht komplett verstanden.

Erst 1959 kam das erste trizyklische Antidepressivum auf den Markt und wurde zum üblichen Medikament bei psychischen Krankheiten. Mittlerweile wurden sie aber durch die SSRI ersetzt, die heutzutage die Norm sind.

Trizyklische Antidepressiva:

Dies sind die herkömmlichen Antidepressiva. Der Wirkstoff greift in den Zyklus der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin ein, indem er die Wiederaufnahme in die Nervenzellen des Gehirns hemmt. Dadurch soll der Mangel an Botenstoffen ausgeglichen werden und eine Verbesserung des Zustands erreicht werden.

Trizyklische Antidepressiva haben jedoch sehr viele Nebenwirkungen und werden daher nicht mehr oft angewendet.

Antidepressivas

Antidepressivas

Selektive Serotonin – Wiederaufnahme – Hemmer (SSRI):

SSRI sind die heutzutage am meisten verschriebenen Antidepressiva. Das Ziel dieser ist es, durch das Verhindern der Wiederaufnahme des Botenstoffs Serotonin in die Nervenzellen eine erhöhte Serotonin-Konzentration im Gehirn und somit eine positive und belebende Wirkung auf dich zu bewirken.

Allerdings musst du dich in der Regel zwei bis drei Wochen gedulden, bis die positive Wirkung einsetzt und das erfordert Durchhaltevermögen. Denn die Nebenwirkungen sind genau in diesen Wochen am stärksten.

Im Vergleich zu den Trizyklischen Antidepressiva sind die Nebenwirkungen der SSRI aber deutlich weniger aggressiv und aus diesem Grund haben sich die SSRI als der neue Standard etabliert.

Selektive Noradrenalin – Wiederaufnahme – Hemmer (SNRI):

Die SNRI wirken ebenso wie die SSRI, nur dass sie den Botenstoff Noradrenalin beeinflussen statt des Serotonins. Es gibt weniger bekannte Wirkstoffe als bei den SSRI und sie werden deutlich seltener verschrieben.

Wenn sie verordnet werden, dann meistens in einer Kombination als SSNRI (Selektive Serotonin-und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer).

MAO-Hemmer:

Die MAO – Hemmer beeinflussen das Enzym-System Monoaminooxidase in seiner Wirkung. Dieses ist dafür zuständig, Monoamine wie z.B. Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, abzubauen. Dieser Prozess wird durch das Medikament gehemmt. MAO – Hemmer werden im Zusammenhang mit Depression meistens nur verordnet, wenn andere Antidepressiva nicht gewirkt haben.

Nebenwirkungen von Antidepressiva

Stell dir vor heute war der Tag, an dem du endlich zu einem Psychologen gegangen bist. Du hast lange Zeit nicht gewusst was los ist und hast dich durch einen Tag nach dem anderen gequält, ohne dass sich etwas verändert hat. Immer und immer wieder das Gleiche.

Heute hast du endlich etwas unternommen und du weißt nun, wie man das nennt, worunter du leidest: Depression.

Antidepressiva Auswirkungen

Antidepressiva Auswirkungen

Sogar die Lösung war offensichtlich, dir wurden Antidepressiva verschrieben, in Deutschland höchstwahrscheinlich SSRI.

Vielleicht lässt sich ja doch etwas an deinem Zustand ändern denkst du dir, vielleicht hat das Leiden ja ab morgen ein Ende.

In diesem Fall versetzen dir die Nebenwirkungen wahrscheinlich einen herben Rückschlag. Denn statt einer unverzüglichen Verbesserung werden die nächsten Wochen erst einmal alles andere als einfach.

Denn in fast allen Fällen geht die Einnahme von Antidepressiva mit Nebenwirkungen einher. Mal stärker, mal schwächer.

Hinzu kommt, dass die positive Wirkung erst nach zwei bis drei Wochen einsetzt und die ersten Wochen deshalb für dich zu einer besonderen Herausforderung werden.

Diese Begleiterscheinungen lassen zwar in vielen Fällen nach den ersten Tagen schon wieder nach und verschwinden manchmal auch komplett, doch viele Patienten beenden die Einnahme aufgrund der Nebenwirkungen schon bevor die gewünschte Wirkung des Medikaments überhaupt eingesetzt hat.

Diese sind die typischen Nebenwirkungen:

Mundtrockenheit bei depressionen

Sie gilt als eine der häufigsten Begleiterscheinungen. Dein Mund und Rachen fühlen sich ausgetrocknet und unangenehm an und du hast das Gefühl, dass deine Zunge an deinem Gaumen klebt. Es kann dazu kommen, dass du Schmerzen beim Schlucken und beim Reden hast und dass das Essen zur Qual wird.

Um die Probleme zu verringern solltest du versuchen gründlich zu kauen, viel zu trinken, Kaugummis zu kauen oder Bonbons zu essen und falls du Raucher bist, darauf für einige Zeit zu verzichten.

Kopfschmerzen

Kopfschmerzen sind ebenfalls alles andere als ungewöhnlich in den ersten Tagen, nachdem du die Einnahme gestartet hast.

Sei vorsichtig mit Schmerzmitteln. Bevor du welche anwendest, lies auf jeden Fall die Packungsbeilage und überprüfe die Verträglichkeit mit deinen Antidepressiva.

Magen-Darm-Probleme

Wer kennt sie nicht? Probleme bei der Verdauung und unangenehme Gefühle in der Magengegend. Ständig hast du Durchfall oder Verstopfungen, die dich belasten. Tatsächlich sind fast alle starken Medikamente eine Belastung für den Magen und den Darm, genauso ist es bei Antidepressiva.

Zittern oder häufiges Schwitzen

Musstest du schon einmal eine Rede vor vielen Leuten halten und durch die Nervosität und Anspannung hat dein Körper plötzlich angefangen zu zittern und zu schwitzen und du hattest ihn nicht mehr richtig unter Kontrolle?

Mittel gegen Depressionen

Mittel gegen Depressionen

Auch wenn du diese genaue Situation nicht kennst, hast du sicherlich in Situationen der Angst und Nervosität ähnliche körperliche Symptome bei dir beobachtet.

Stell dir vor, du durchlebst diese Zustände auf einmal einfach so. Kein erkenntlicher Auslöser, keine erkenntlichen Gründe.

Besonders in der Öffentlichkeit sind dieses Schwitzen und Zittern für viele Menschen sehr unangenehme Nebenwirkungen.

Sexuelle Funktionsstörungen

Wenn dich deine Depression nicht sowieso schon deiner sexuellen Lust beraubt hat kann es dazu kommen, dass die Begleiterscheinungen der Antidepressiva diesen Job übernehmen.

Du spürst kein Verlangen mehr nach deinem Partner und vermeidest sexuelle Situationen, um deinen Partner nicht enttäuschen zu müssen. Selbst wenn du es versuchst, kann es gut sein, dass du keine Erektion bekommst oder nicht die nötige Lust entwickelst.

Schwindel, Schwarz vor Augen und Ohnmacht

Kreislaufprobleme kommen in vielen Krankheiten vor. Sie treten dann auf, wenn dein Körper geschwächt ist und er sich durch Dinge überfordert fühlt.

Starke Medikamente wie Antidepressiva können eine solche Schwächung vorübergehend verursachen.

Insbesondere wenn du aufstehst und dich besonderen Anstrengungen aussetzt äußern sie sich durch Schwindel, Augenflimmern und das Gefühl das Bewusstsein zu verlieren.

Erhöhte Selbstmordgefahr

Im Jahr 2004 und erneut im Jahr 2007 verlangte die FDA (Food&Drug Administration) in den USA einen Hinweis auf der Verpackung, der vor verstärkten Selbstmordgedanken warnt.

Besonders bei Kindern und Jugendlichen und in den ersten 2 Monaten nach Beginn der Einnahme können diese Symptome auftreten.

Wenn du bemerkst, dass dein Zustand sich durch Antidepressiva verschlechtert oder du öfters Selbstmordgedanken hast, solltest du dich sofort mit deinem Arzt besprechen.

Kritik bei Antidepressiva Medikamenten

Eine der berühmtesten Studien zu Antidepressiva hat der Professor Irving Kirsch im Jahr 2008 veröffentlicht. Mit der Folge, dass Antidepressiva immer mehr in Frage gestellt werden.

Kirsch hatte über Jahre hinweg die Studien der Pharmafirmen studiert und ausgewertet, mit denen sie sich für eine Zulassung ihrer Medikamente beworben hatten. Dabei konnte er nicht nur auf die öffentlichen Studien zugreifen, sondern ihm wurde, aufgrund eines amerikanischen Gesetzes für Transparenz, zu den geheim gehaltenen Pharma – Studien Zugang gewährt. Kirschs Entdeckung war beachtlich.

Es kam eindeutig heraus, dass die Einnahme von Antidepressiva Verbesserungen hervorruft.

Wenn man diesen Effekt jedoch mit dem Effekt vergleicht, der durch Placebo – Pillen hervorgerufen wurde, sind die Unterschiede gering.

Lediglich bei der am schwersten erkrankten Gruppe machte der Wirkstoff einen Unterschied, in den anderen Fällen spielte es keine Rolle ob ein echtes Medikament oder eine Scheinpille geschluckt wurde.

Kirsch war nach eigenen Aussagen selbst überrascht von diesem Ergebnis,  die Wirkung der Antidepressiva war zu dieser Zeit beinahe unumstritten.

Doch das Ergebnis war eindeutig. Für schwer depressiv erkrankten Menschen macht eine Einnahme Sinn, war Kirschs Folgerung, in allen anderen Fällen sind es nicht die Wirkstoffe, die den Erfolg erzielen. In diesen Fällen ist der Erfolg des Stimmungsaufhellers ein Scheinerfolg.

Alternative zu Antidepressiva

Alternative zu Antidepressiva

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Einmal vorweg: Besonders in schweren Depressionen sind Antidepressiva häufig die beste Möglichkeit um die Krankheit in den Griff zu bekommen und sie sollen hier nicht verteufelt werden. Das Ziel ist definitiv nicht, dir deine Medikamente auszureden.

In vielen Fällen werden dir Antidepressiva aber auch bei leichteren Depressionen als Direktmaßnahme verschrieben, weil die durchschnittliche Wartezeit auf eine Therapie in Deutschland 6 Monate beträgt. Oder du erwägst es, dich Antidepressiva zuzuwenden um dein andauerndes Tief zu überwinden. In diesen Fällen gibt es viele alternative Möglichkeiten, die dir deutlich besser und nachhaltiger helfen können:

Johanniskraut

Keine medikamentenfreie Alternative, aber das Johanniskraut ist das pflanzliche Pendant zu den pharmazeutischen Antidepressiva.

Nachdem die Wirkung lange angezweifelt wurde, haben Forscher des Cochrane Zentrums am Universitätsklinikum Freiburg 2012 nachgewiesen, dass Johanniskraut gegen leichte und mittelschwere Depressionen gute Wirkungen zeigt.

Auch Johanniskraut wird langfristig deine Probleme nicht lösen, in den meisten Fällen ist es jedoch besser verträglich als herkömmliche Antidepressiva.

Warnhinweis: Johanniskraut auf keinen Fall einnehmen wenn du schon mit Antidepressiva behandelt wirst!

Mentaltraining

Im Bereich des Mentaltrainings bieten sich dir viele Gelegenheiten dich selbst weiterzuentwickeln und deinen Stimmungszustand zu verbessern.

In einer Studie in Oxford, England wurde eine alternative Therapie „Mindfulness-Based-Cognitive-Therapy“ mit einer medikamentösen Behandlung verglichen. Die unkonventionelle Therapie, welche vor allem aus Atem- und Achtsamkeitsübungen bestand, wies nach einer Laufzeit von zwei Jahren sogar eine bessere Erfolgsquote auf.

Sport und Bewegung 

Dass genug Bewegung wichtig ist für ein gesunden und guten Lebenswandel, ist den meisten Leuten bewusst.

Sport oder körperliche Arbeit wirken sich auf deine Stimmung, dein Selbstvertrauen und deine Zufriedenheit positiv aus und mindern Ängstlichkeit, Stress und Unzufriedenheit.

Die erhöhte Ausschüttung von Endorphin beim Sport, sowie eine Ankurbelung der Produktion von gewissen Botenstoffen wie beispielsweise Noradrenalin wirkt sich antidepressiv aus.

Hinzu kommt die psychische Komponente, dass du etwas Neues tust, deinen Alltag verlässt und dich ungekannten Herausforderungen stellst.

Modernen Forschungen zufolge bewirkt sportliche Aktivität sogar bei schweren Depressionen deutliche Verbesserungen.

So schwer es auch sein mag dich zum Sport zu überwinden wenn du dich in einer Depression befindest und du dich antriebslos fühlst, so ist es doch eine der besten Chancen auf schnellen und anhaltenden Aufschwung.

Ernährung

„Du bist, was du isst“, auch eine bessere Ernährung kann sich sehr positiv auf deine Lebensqualität auswirken. Es ist mittlerweile wissenschaftlich bewiesen, dass sich deine Ernährung und deine Gesundheit auf deine Psyche auswirken. In einer Meta-Studie von 2011 des „US National Institute of Health“ wurden Zusammenhänge zwischen den Depressionen und der Ernährung nachgewiesen. Während eine auf Fast Food und Fertignahrung basierende Ernährung mit negativen Ergebnissen in Verbindung gebracht wurde, wirkten sich Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Nüsse, Hülsenfrüchte und vor allem gesunde Fettsäuren positiv auf die Patienten aus.

 

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