Therapie bei Depression

Sep 03
Depression Therapie

Therapie bei Depression

Depressionen können anstrengend und langwierig sein. Es besteht kein Zweifel daran, dass professionelle Hilfe für Betroffene nicht nur äußerst hilfreich und wohltuend, sondern oft auch notwendig ist.  

Psychotherapien können dir helfen, deine Denkmuster zu verändern und dir Bewältigungsfähigkeiten zu vermitteln, sodass du besser dafür ausgerüstet bist, mit den Konflikten und Stressfaktoren des Alltags fertig zu werden.  

Psychotherapien sind nicht nur darauf ausgerichtet, deine Genesung zu fördern und unterstützen, sondern auch darauf, dein psychisches Wohlergehen nachhaltig zu sichern, sodass du keinen Rückfall erleidest, oder diesen im Zweifelsfall schnell und effektiv meistern kannst.

Für Depressionen gibt es diverse Arten von Psychotherapien sowie verschiedene Personenkonstellationen innerhalb der Therapien. Manche arbeiten lieber eins zu eins mit einem Profi, andere hingegen, fühlen sich in einer Gruppenatmosphäre wohler. Es gibt zudem eine steigende Anzahl von Online-Programmen und E-Therapien, die dir zur Verfügung stehen.

Hier wird dir zunächst erklärt, wie eine Psychotherapie allgemein wirkt. Weiter unten werden dir verschiedene Verfahren der Psychotherapie individuell aufgezeigt: Die drei staatlich finanzierten und geläufigsten – Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, sowie auch andere, weniger weit verbreitete Therapieverfahren gegen Depressionen.

Wie wirkt eine Psychotherapie allgemein?

Der Schweizer Psychotherapieforscher Klaus Grawe hat fünf allgemeine Wirkfaktoren festgelegt, die Ziel einer jeden Psychotherapie sind, obgleich sich die Therapieverfahren in ihrer Herangehensweise unterscheiden.

Die fünf allgemeinen Wirkfaktoren einer Psychotherapie nach Grawe:

  1. Klärung

Der Therapeut hilft dem Patienten, sich über die Bedeutung seines Erlebens und Verhaltens  klarer zu werden, insbesondere dabei, das Problem in einen sinnhaften Kontext einzuordnen.

  1. Problembewältigung

Im Vordergrund stehen die Definition des Problems und die Vermittlung von Fertigkeiten, die den Patienten zur Problemlösung befähigen.

  1. Problemaktivierung

Hier sollen dem Patienten seine aktuellen Probleme real erlebbar gemacht werden.  Dies geschieht beispielsweise durch Rollenspiele, Einbeziehung des Partners und dem Aufsuchen der Situationen, in denen sich das Problem äußert.

  1. Ressourcenorientierung

Hervorheben der Stärken bzw. gesunder Anteile des Patienten, um ihn zur Bewältigung seiner Probleme zu befähigen (besonders wichtig für einen nachhaltigen Therapieerfolg). Dies geschieht durch das Erarbeiten von Situationen, in denen der Patient aktuell oder in seiner Vergangenheit mit konstruktivem Bewältigungsverhalten reagiert.

  1. Therapeutische BeziehungTherapie bei Depression

Die Beziehungsgestaltung sollte in den ersten Stunden ein Schwerpunkt jeder Therapie sein und in den weiteren Stunden flexibel zwischen Validierung (Bestätigung, Verständnis) und Änderung (Förderung) gestaltet werden. Hier ist wichtig, dass auf Seiten des Therapeuten Akzeptanz, Wertschätzung, Transparenz, Unterstützung und Optimismus vorhanden ist. Auf Seite des Patienten muss Mitarbeit, Offenheit und Vertrauen aufgebracht werden.

Kognitive Verhaltenstherapie bei Depression

Die Kognitive Verhaltenstherapie kombiniert kognitive Therapie (befasst sich mit dem, was du denkst) mit Verhaltenstherapie (befasst sich mit dem, was du tust).  Diese Psychotherapie ist darauf fokussiert, wie deine Gedanken, Glaubenssätze und Einstellungen dein Verhalten und deine Gefühle beeinflusst.

Der Kognitiven Verhaltenstherapie liegt die Theorie zugrunde, dass unsere Gedanken über bestimmte Situationen unsere Gefühle und Verhaltensweisen beeinflussen können. Wenn du zum Beispiel eine Situation negativ interpretierst, könntest du infolgedessen negative Emotionen verspüren – diese negativen Gefühle könnten wiederum dazu führen, dass du dich auf bestimmte Art und Weise verhältst.

Wie fangen negative Gedanken bei Depression an?

Negative Gedankenmuster können sich schon während deiner Kindheit entwickeln. Wenn du zum Beispiel nicht ausreichend Zuneigung und Lob von deinen Eltern oder Lehrern bekommen hast, magst du dir gedacht haben „Ich bin nutzlos, ich bin nicht gut genug.“

Mit der Zeit magst du diesen Glaubenssätzen immer mehr Bedeutung geschenkt haben, bis sie für dich als Erwachsener Mensch automatisch geworden sind. Diese Art du denken könnte dann deinen Gefühlszustand bei der Arbeit, an der Uni, oder im Leben allgemein beeinflussen.

Der Teufelskreis von negativen Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen

Werden deine negative Interpretation von Situationen nicht in Frage gestellt, dann wird dieses Muster in deinen Gedanken, Gefühlen und deinem Verhalten zu einem Teufelskreis.

                                                                      Gefühl

                                                 Ich fühle mich niedergeschlagen

                    Verhalten                                                                                     Gedanke

Sozialer Rückzug/ Freunde vermeiden                                            Ich habe alle im Stich gelassen

                                                                                                              Sie werden sauer auf mich sein

                                                                                                              Ich bin kein/e gute/r Freund/in

                                                                    

 

                                                                        Gefühl

                                                         Ich fühle mich ängstlich                 

                   Verhalten                                                                                   Gedanke         

   Vor der Situation flüchten                                                                      Ich kann das nicht

Die Situation in der Zukunft meiden                                                Was stimmt nur nicht mit mir

                                                                                                                      Alle gucken mich an

Therapie Depression

Wie funktioniert Kognitive Verhaltenstherapie?

Bei einer Kognitiven Verhaltenstherapie arbeitest du mit einem Therapeuten daran, negative Gedanken- und Verhaltensmuster zu identifizieren und diese zu hinterfragen. Daraufhin können sich deine Gefühle in Bezug auf bestimmte Situationen ändern, sodass du darin befähigt wirst, dein Verhalten in Zukunft zu ändern.

Die Kognitive Verhaltenstherapie zielt darauf ab, dir einen positiveren Umgang mit Problemen zu ermöglichen, indem die für dich bis dahin überfordernden Probleme in kleinere überschaubarere Teile zerlegt werden.

Die vier grundsätzlichen Schritte einer Kognitiven Verhaltenstherapie:

  1. Die eigenen Gedanken und Reaktionen beobachten, anschließend bestimmte Muster, Blockaden und Einstellungen erkennen und sich diese dadurch bewusst machen.
  2. Die gefundenen Denkweisen überprüfen –  ob sie Sinn machen, ob sie dir weiterhelfen oder ob sie dich vielleicht negativ beeinflussen und ein Verursacher deiner Probleme sind.
  3. Die unerwünschten Routinen und Einstellungen entweder beheben oder korrigieren.
  4. Die neu erlernten Gedanken, Interpretationen und Ansichten ins Verhalten umsetzen.

Im Vergleich zu manch anderen Therapieverfahren, behandelt die Kognitive Verhaltenstherapie deine aktuellen Probleme, anstatt den Fokus auf Probleme deiner Vergangenheit zu legen. Hier wird nach praktischen Wegen gesucht, wie dein Gemütszustand tagtäglich verbessert werden kann.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Die Kognitive Verhaltenstherapie lehrt, den Teufelskreis von negativen Gedanken zu unterbrechen.

Psychoanalyse bei Depression

Die Psychoanalyse ist eine Therapie, die vom Österreichischen Tiefenpsychologe Sigmund Freud begründet wurde. Freud glaubte, Menschen könnten geheilt werden, indem man ihnen ihre unbewussten Gedanken und Motivationen bewusst mache.

Das Ziel der Psychoanalyse ist es, unterdrückte Emotionen und Erfahrungen freizusetzen, d.h. das Unbewusste bewusst zu machen. Nur durch diese „Katharsis“ – der Befreiung von seelischen Konflikten durch emotionale Durcharbeitung – könne der Mensch „Heilung“ finden.

Annahmen der Psychoanalyse:

  • Störungen menschlicher Verhaltens- und Erlebensweisen sind in „intrapsychischen Konflikten“ begründet (→ Konflikte zwischen inkompatiblen oder gegensätzlichen Wünschen, Impulsen, oder Bedürfnissen innerhalb der eigenen  Psyche).
  • Die intrapsychischen Konflikte bilden sich in der Kindheit aus.
  • Sie laufen unbewusst ab.
  • Sie werden in unterschiedlichen, der primären (ursprünglichen) Konflikt-Situation ähnlichen Situation reaktiviert.

Wie können wir das Unterbewusstsein verstehen?

Depression Therapie

Psychoanalyse ist sowohl Therapie als auch Theorie. Für gewöhnlich wird Psychoanalyse angewandt, um Depressionen und Angststörungen zu behandeln.

Als Patient liegst du während einer Psychoanalyse auf einem Couch oder einer Liege, während der Therapeut hinter dir sitzt. Nun redest du in sogenannter „freier Assoziation“, das heißt: Du redest einfach ‚drauf los‘, verbalisiert deinen natürlichen Gedankenfluss und äußerst auch spontane Gedankensprünge oder Dinge, die du als privat, intim oder unanständig empfindest.

Voraussetzung für diese Methode ist natürlich, dass du dem Therapeuten vertraust und in seiner Gegenwart gehen lassen kannst: Jegliche Masken, die du im Alltag trägst, müssen hier abgelegt werden, um eine erfolgreiche Therapie zu erfahren.

Das Ziel dieses Vorgangs ist die Identifikation und Bearbeitung deiner Konflikte durch „Regression“ (das Zurückfallen in kindliche Verhaltensmuster, bzw. das Zurückversetzen in die eigene Kindheit). Des Weiteren ereignet sich eine Reaktivierung der frühkindlichen Gefühle und Wünsche gegenüber Bezugspersonen durch „Übertragung“  auf den Therapeuten.

Der Therapeut muss sich währenddessen an eine sogenannte Abstinenzregel halten. Dies bedeutet, er darf keine eigene Wertung darüber abgeben,  was du als Patient preisgibst. Er muss auch davon absehen, außerhalb der Behandlung Kontakt zum Patienten und dessen Familie zu pflegen.

Diagnostik in der Psychoanalyse

Diagnostiziert wird in der Psychoanalyse mithilfe verschiedener Verfahren. Dazu gehört zum Beispiel die Trauminterpretation oder die Deutung von „Fehlleistungen“. Fehlleistungen werden oft auch als „Freud’sche Versprecher“ bezeichnet.

Das Prinzip der Freud’schen Versprecher ist, dass es nicht von ungefähr kommt, wenn der Patient sich verspricht, sondern wichtige Informationen über das Unterbewusstsein dessen preisgibt. Man könnte sagen, Fehlleistungen sind unbeabsichtigte Offenbarungen des Patienten.

Nicht zu vergessen ist die Widerstandsanalyse: Ein elementarer Bestandteil der Diagnostik innerhalb einer Psychoanalyse. In einer Psychoanalyse werden Widerstände als solche Mechanismen bezeichnet, die du als Patient aufweist, um den Fortschritt der Therapie unbewusst zu sabotieren.

Da es schwer sein kann sich seiner schmerzhaften Gefühle und Erfahrungen bewusst zu werden, ist es möglich, dass du in einer Therapiesituation auf verschiedene Art und Weisen ‚Widerstand‘ leistest: zum Beispiel durch Unterdrückung von Emotionen und Erfahrungen, Projektionen der eigenen Emotionen auf andere, oder Leugnung der eigenen Emotionen und Erfahrungen.

Ziel der Psychoanalyse

Angestrebt in der Psychoanalyse nicht nur eine Symptom-reduktion, sondern vielmehr eine strukturelle Veränderung deiner Persönlichkeit durch Aufdeckung und Aufarbeitung deiner unbewussten Konflikte.

Dass dieses Ziel nicht sich nicht innerhalb von ein paar Sitzungen erreichen lässt, sollte nicht überraschen – schließlich bedarf es für diese Therapie ein besonders hohes Maß an Vertrauen zum Therapeuten, das erst über eine gewisse Zeit aufgebaut werden muss. Für gewöhnlich findet die Psychoanalyse in zwei bis drei Sitzungen pro Woche über einen Gesamtzeitraum von zwei drei Jahren statt und gilt somit offiziell als Langzeittherapie.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie bei Depression

Die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist eine Abzweigung der Psychoanalyse und teilt somit die allgemeinen Annahmen über psychische Störungen wie Depressionen, d.h. dass sie im Unterbewussten verankert sind und sich in Form von intrapsychischen Konflikten in der Kindheit bildeten.

Das Fundament gleicht dem der Psychoanalyse, die Herangehensweise des Therapeuten unterscheidet sich in der Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie jedoch grundlegend von der des Psychoanalytikers.

Wie unterscheidet sich die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie von der Psychoanalyse?

Der größte Unterschied liegt darin, dass sich der Therapeut nicht an die Abstinenzregel halten muss, sondern eine aktive Haltung in der Therapie einnimmt.

Bei einer Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie sitzt der Therapeut nicht hinter dir, sondern gegenüber von dir und auch du liegst nicht, sondern sitzt und hältst Blickkontakt mit dem Therapeuten.

Der Therapeut vermittelt dir bei dieser Therapie aktiv Wissen über deine Krankheit und klärt dich darüber auf, wie du dir einen gesundheitsförderlichen Lebensstil aneignen kannst. Diese Psychotherapie ist bewusst so konzipiert worden, dass sie eine starke Unterstützungsfunktion hat. So ermutigt dich der Therapeut wo er nur kann, indem er dir gut zuspricht, oder bezieht gegebenenfalls sogar deine Angehörige durch ein Gespräch mit ein.

Die „Übertragung“ (d.h. die Projektion frühkindlicher Konflikte auf den Therapeuten) wird nur insoweit genutzt, wie sie der Aufdeckung und Bearbeitung der aktuellen Symptome und ihrer biografischen Bezüge dient. Eine Regression des Patienten wird nicht angestrebt.

Die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie kann entweder als Kurzzeittherapie mit 25 Sitzungen, oder als Langzeittherapie mit 80 (maximal 100 Sitzungen) erfolgen.

Ziel der Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie:

Das Ziel dieser Therapie ist die Klärung, Aufdeckung, und Bearbeitung von aktuellen Konflikten, die deine gegenwärtige Lebenssituation beeinträchtigen.

Klientenzentrierte Gesprächstherapie bei Depression

Die Klientenzentrierte Gesprächstherapie wurde in den 1940ern vom US Amerikaner Carl Rogers entwickelt und hebt sich insofern von anderen Psychotherapien ab, dass der Therapeut und der Patient sich auf Augenhöhe begegnen.Therapie Depression

Diese Therapie ist nondirektiv; das heißt, dass du bei dieser Therapie mit dem Therapeuten gemeinsam eine Situation gehst, du aber nicht vom Therapeuten irgendeine Richtung gelenkt wirst, sondern selbstverantwortlich auf Entdeckungsreise gehst.  

Bei dieser Therapie sollst du nicht das Gefühl haben, ein Objekt zu sein, das Behandlung benötigt, sondern schlichtweg als Mensch akzeptiert werden, der authentisch über seine Gefühle spricht.

Auch wird der Begriff des Patienten durch den Klienten ersetzt, um so eine neutrale Basis der eingegangenen Beziehung zu schaffen.

Die drei wesentlichen Elemente der Klientenzentrierten Gesprächstherapie nach Rogers:

  • Empathische und offene Grundhaltung
  • Authentisches und kongruentes Auftreten
  • Akzeptanz und positive Beachtung der anderen Person

Wie soll bei der Klientenzentrieten Gesprächstherapie mit dem Sprecher interagiert werden?

Nach Rogers wird das Verstehen des Sprechers weiterhin wie folgt unterstützt:

  • Sich auf das Gegenüber einlassen, konzentrieren und dies durch die eigene Körperhaltung ausdrücken
  • Mit der eigenen Meinung zurückhaltend umgehen
  • Nachfragen bei Unklarheiten
  • Zuhören heißt nicht gutheißen
  • Pausen aushalten, sie können ein Zeichen für Unklarheiten, Angst oder Ratlosigkeit sein
  • Auf die eigenen Gefühle achten
  • Die Gefühle des Partners erkennen und ansprechen
  • Bestätigende kurze Äußerungen
  • Geduld haben und den Sprecher nicht unterbrechen, ausreden lassen
  • Blickkontakt halten
  • Sich durch Vorwürfe und Kritik nicht aus der Ruhe bringen lassen
  • Empathie ausüben und sich innerlich in die Situation des Sprechers versetzen

EMDR bei Depression

EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing und bedeutet auf Deutsch „Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung“.  Dieses Verfahren, das ursprünglich als Behandlungsmethode gegen Posttraumatische Belastungsstörung entwickelt wurde, hat sich bei einigen Fällen als wirksames Mittel gegen Depressionen erwiesen.

Typische Patienten, bei denen EMDR Erfolge erzielt, sind solche, die ein schwerwiegendes Trauma erlitten haben: Hier könnten unter anderem körperlicher oder sexueller Missbrauch während der Kindheit, ein schwerer Unfall, eine Naturkatastrophe oder das Miterleben eines Mordes vorgefallen sein.

Forscher haben festgestellt, dass langanhaltende Stresssituationen, die Depressionen auslösen können, wie z.B. psychische Erkrankungen innerhalb der Familie, auch erfolgreich mit EMDR behandelt werden können.

Wie EMDR abläuft

Wenn dir ein traumatisches Erlebnis widerfährt, kann es mitsamt den ursprünglichen Bildern, Glaubenssätzen über dich selbst, Emotionen und Körperempfindungen in den Erinnerungssystemen des Gehirns ‚eingefroren‘ werden.

Aus diesem Grund kann es starke Angstzustände auslösen, wenn das Trauma durch Alltagssituationen ‚getriggered‘ (ausgelöst) wird – fast so stark, als würdest du die Erfahrung wiedererleben.

EMDR scheint die Einfrierung der festgefahrenen Erfahrungen wieder rückgängig zu machen, sodass das Gehirn sie verarbeiten und integrieren kann: Somit vollzieht sich eine ‚‚Desensibilisierung”.

Die Herangehensweise von EMDR umfasst acht Phasen, die in der Regel damit beginnen, dass der Therapeut deine Geschichte eingehend untersucht, ein harmonische Chemie zwischen dir und ihm etabliert und dir die Prozedur gründlich erklärt, bevor sie begonnen wird.

Bei der eigentlichen Behandlung, fokussierst du als Patient auf das traumatische Erlebnis und die begleitenden Empfindungen, während du gleichzeitig mit deinem Blick den Fingern des Therapeuten folgst, die sich hin und her bewegen (Die Finger werden besonders häufig benutzt, jedoch nutzen manche Therapeuten auditive Töne oder Klopfverfahren). Dieser Vorgang wird mehrfach wiederholt, bis du kein Unbehagen mehr empfindest, wenn du an die schlimme Erfahrung denkst.

Die Recherche des letzten Jahrzehnts weist darauf hin, dass es die zweifache Aufmerksamkeitsspaltung ist, die den Heilungsmechanismus im Gehirn aktiviert. Anders gesagt: Nicht die Augenbewegungen sind die wichtigste Komponente des EMDR, sondern der Heilungsprozess des Gehirns, der sich vollzieht, während durch EMDR einen Anpassungsvorgang angestiftet wird, der festgefahrene Emotionen in eine natürlichere Form integrieren lässt.

EMDR Behandlungsresultate

Wenn du mit EMDR behandelt wurdest, kannst du dich immer noch  an deine traumatischen Erlebnisse erinnern, nur lösen sie nun weniger bis garkeinen Kummer oder Bedrängnis mehr aus. Manche behaupten, das Traumae fühle sich nach der Behandlung an, wie eine einfache Erinnerung, während andere sagen, es fühle sich weniger markant oder weiter entfernt an.

Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass EMDR verändert wo und wie die Erlebnisse im Gehirn gelagert werden. Der EMDR Prozess scheint dem unbewussten Verarbeitung zu ähneln, die während der sogenannten REM Schlafphase stattfindet.

Obwohl EMDR einige Erfolge bei Depression einige Erfolge erzielt hat, sollte bemerkt werden, dass es kein einzelnes Therapieverfahren gibt, dass bei jeder Person wirkt. Wenn du eine EMDR Behandlung bekommen hast, jedoch immer noch Symptome deiner Depression erleidest, ist es ratsam, anderen Therapien und Ärzte zu versuchen, bis zu die die für dich richtige Methode oder Methodenkombination gefunden hast.

Gestalttherapie

Eine in Deutschland noch nicht allzu gewöhnliche Therapieform ist die Gestalttherapie. Auch sie hat sich aus der Psychoanalyse entwickelt, allerdings eher aus der Kritik und Abgrenzung von ihr.

Im Mittelpunkt der Gestalttherapie steht die Erfahrung. Eine erlebnisorientierte Therapie, die den  Klienten zu mehr Achtsamkeit und Bewusstsein führen soll, sodass dieser seine Probleme angehen kann.

Die Gestalttherapie ist eine sehr freie Therapieform, bei der sich der Therapeut und sein Klient selbst die Techniken und Übungen überlegen, die zu einer Verbesserung führen sollen. Der Klient soll sein eigenes Potenzial zur selbstverantwortlichen Veränderung seines Lebens erkennen,  da die entscheidende Veränderung sowieso nur durch ihn selbst geschehen kann.Therapie von Depressionen

Verschiedene Studien haben die Gestalttherapie mit der kognitiven Verhaltenstherapie verglichen. Dabei hat mal die eine Therapie besser abgeschnitten und mal die andere. Klar ist aber: Es handelt sich um ein sehr aussichtsreiches Therapieverfahren, welches leider in Deutschland, anders als in Österreich und der Schweiz, noch nicht von den staatlichen Krankenkassen übernommen wird.

Interpersonelle Therapie

Die Interpersonelle Therapie ist eine Kurzzeit-Therapie, die vom Erfinder ursprünglich als Placebo-Theorie konzipiert war, jedoch in seiner Wirkung so sehr überzeugte, dass sie weiterentwickelt wurde.

Es sind lediglich 12-20 Sitzungen vorgesehen,  um Erfolge zu erzielen und die Therapie abzuschließen.

Neben der Arbeit an den emotionalen Problemen des Patienten, wird auch versucht, ihm die nötigen sozialen Fähigkeiten zu vermitteln, die ihm helfen in seinem Leben besser zurecht zu kommen.

Die Theorie, die dahinter steht, besagt, dass sich viele psychische Krankheiten aus einem interpersonellen Kontext entwickeln. Also, dass sie durch Probleme mit anderen Menschen ausgelöst werden.

Die Interpersonelle Therapie wird gegen alle Arten von Depressionen eingesetzt und dessen Wirksamkeit ist bereits in einigen Studien nachgewiesen worden.

Logotherapie

Die Logotherapie, auch Existenzanalyse genannt, widmet sich der Aufgabe, deinem Leben einen Wert und einen Sinn zu geben. „Wer ein Warum zu Leben hat, erträgt fast jedes Wie“ lautet ein bekanntes Zitat von Friedrich Nietzsche und an ebendiese Schlussfolgerung knüpft die Logotherapie an.

Dem Leben Bedeutung zu schenken verleiht dir die Kraft, die du brauchst, um die Aufgaben des Lebens zu meistern. Der Logotherapie zufolge, ist nämlich das Streben des Geistes nach einem Sinn und Zweck das stärkste Streben des Menschen.

Entwickelt wurde diese psychologische Behandlungsmethode von Viktor Frankl in seinen jungen Jahren. Als er während des zweiten Weltkriegs aufgrund seines Judentums in drei Konzentrationslagern als Gefangener lebte, erfuhr und beobachtete er eine Vielzahl an Extremsituationen. Nach seiner Befreiung  arbeitete weiter an der Logotherapie und brachte die neuen Erkenntnisse, die er durch seine Gefangenschaft gewonnen hatte, in die Therapie ein,  um sie zu verbessern.

Der Prozess, der zum Finden seiner Lebensbedeutung führt, wird Existenzanalyse genannt und dauert je nach Fall unterschiedlich lang, jedoch finden in aller Regel ein bis zwei Sitzungen pro Woche statt.

Welche Psychotherapie soll ich wählen?

So individuell wie Menschen sind, so individuell sind auch die Erfolge der verschiedenen Psychotherapien. Es gibt bei jeder Therapieform Fälle, wo enorme Erfolge verzeichnet werden können, wie auch Fälle, wo der Patient nach Beendigung der Therapie genauso unzufrieden ist, wie zuvor. Aus diesem Grund kann keine ultimative Therapieempfehlung vergeben werden.Therapie bei Depression

In Deutschland ist es so, dass nur die kognitive Verhaltenstherapie, die Psychoanalyse und die Tiefenpsychologisch fundierte Therapie von den Krankenkassen übernommen werden. Für die anderen Therapieformen müssen andere Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden.

Was du nicht vergessen darfst ist, dass der Erfolg jeder Therapie sehr stark von dir als Patient abhängt. Eine motivierte und positive Herangehensweise ist ungemein wichtig für einen Erfolg. Dies heißt wiederum nicht, dass es unbedingt deine Schuld ist, wenn eine Therapiemethode bei dir nicht anschlägt.

Habe den Mut, verschieden Psychotherapien auszuprobieren, bis du die für dich effektivste Therapie, bzw. Therapiekombination gefunden hast. Wichtig ist, dass du dich wohl fühlst und deinen Therapeuten nicht nur sympathisch findest, sondern auch vertraust.

Vielversprechend ist, dass es heute eine ganze Bandbreite an effektiven Behandlungsmöglichkeiten für Depressionen gibt. Wenn du Veränderung in deinem Leben möchtest, kannst du diese mit genug Durchhaltevermögen erreichen.

Jetzt gratis den Artikel als Ebook runterladen !

Kostenlos diesen Beitrag erhalten!