Postnatale Depression

May 15
Postnatale Depression

Postnatale Depression: Symptome, Behandlung und Ursachen einer Wochenbettdepression

Sie scheint wie ein besonders grausamer Fluch, denn die Postnatale Depression setzt genau dann ein, wenn von dir allumfassende Glückseligkeit und Aufregung erwartet wird: Nach der Geburt deines eigenen Kindes.  

Dass die allgemein verbreitete Vorstellung des bedingungslosen Elternglücks insbesondere bei neuen Müttern oft nicht der Realität entspricht, wird noch immer selten besprochen. Doch die Statistiken sprechen für sich.

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Die Postnatale Depression, die häufig auch als Postpartale – oder Wochenbettdepression bezeichnet wird, betrifft etwa 10 bis 15 Prozent der jungen Frauen, die kürzlich ein Baby zur Welt gebracht, eine Fehlgeburt erlebt,  oder eine Stilllgeburt erlitten haben.

Wenn du den Verdacht hast, dass auch du an einer postnatalen Depression leidest, solltest du dir schnellstmöglich Hilfe suchen, denn deine Symptome könnten sich mit der Zeit verschlimmern und außer dir selbst auch dein Baby und deine Familie negativ beeinträchtigen.

Gebe die Hoffnung nicht auf, denn eine vollkommene Genesung bei Postnataler Depression ist absolut möglich und gelingt den meisten Frauen. Hierzu kommen in der Regel Selbsthilfestrategien  und Therapien zum Einsatz.

Die Informationen, die hier bereitgestellt sind, beziehen sich sehr stark auf weibliche Betroffene Postnataler Depression, da diese deutlich öfter daran leiden als Männer. Weiter unten findest du jedoch einige Informationen zu männlichen Betroffenen.

 

Postnatale Depression

Postnatale Depression

Baby Blues sind keine Postnatale Depression

Es ist normal sich in der ersten Woche nach der Entbindung etwas niedergeschlagen, ängstlich und nah am Wasser gebaut zu sein, schließlich ist die Geburt ein wahrer Kraftakt, der dir nicht nur körperlich, sondern auch emotional extrem viel abverlangt.

Diese vorübergehende Veränderung des Gemütszustandes wird als „Baby Blues“ bezeichnet.

Obwohl sich einige Symptome der Postnatalen Depression und des Baby Blues überschneiden, solltest du keine voreiligen Selbstdiagnosen stellen.

Baby Blues dauern bis zu etwa zwei Wochen an und treten bei 70 bis 80% der Frauen auf – und gelten somit als erwartet. Postnatale Depression hingegen, kann undefiniert lang andauern und ist deutlich gravierender, wobei es hier ebenfalls unterschiedliche Schweregrade gibt.

Man kann eine wahre Postnatale Depression von den Baby Blues auch daran unterscheiden, dass die Postnatale Depression in manchen Fällen schleichend auftritt und erst nach einer gewissen Zeit deutlich bemerkbar wird, während Baby Blues unmittelbar nach der Geburt auftreten, dafür jedoch ebenso schnell wieder verschwinden.

Es ist in jedem Fall ratsam, nach der Geburt länger als zwei Wochen zu warten, bevor du eine schwerwiegendere Kondition als Ursache deiner Verstimmung in Erwägung ziehst.

Symptome einer Postnatalen Depression

Die Postnatale Depression ähnelt in seiner Symptomatik stark den allgemeinen Formen der Depression. Das Hauptunterscheidungsmerkmal ist, dass PND im Vergleich zu anderen Formen der Depression direkt auf das Geburtsereignis zurückzuführen ist. Andere Arten der Depression haben nicht unbedingt einen spezifischen Auslöser.

Baby Blues

Baby Blues

Ebenfalls lässt sich behaupten, dass PND bei Betroffenen negative Assoziationen mit der Rolle des Mutterseins und negative Gefühle gegenüber das eigene Kind hervorrufen kann.

Wenn du in innerhalb der letzten 12 Monate ein Kind geboren hast und einige dieser Symptome aufweist, könnte es sein, dass du an einer Postnatalen Depression leidest:

Allgemeines zur Postnatalen Depression

  • Du hast mit einem beständigen Gefühl von tiefer Trauer zu kämpfen. Möglicherweise kannst du nicht aufhören zu weinen und weißt nicht einmal genau weshalb.
  • Du verspürst einen allgemeinen Mangel an Freude und Lebenslust und bemerkst grundlegende Apathie: Nichts scheint dich mehr zu interessieren.
  • Du fühlst absolut gar nichts. Taubheit und Leere begleiten dich ständig. Du fühlst dich wie ein Zombie, der seine täglichen Verpflichtungen lediglich abklappert.
  • Du bist leicht irritiert und wütend. Manchmal hast du eine rasende Wut auf alles und jeden.
  • Du kannst schlichtweg nichts essen, andernfalls ist Essen womöglich das einzige, was dir hilft, dich besser zu fühlen.
  • Du bist verwirrt und verängstigt, weil du nicht verstehst, was mit dir geschieht.
  • Du ziehst dich sozial komplett zurück und hast kaum noch Kontakt zu deinen Mitmenschen.
  • Du hast große Schlafprobleme: Entweder kannst du überhaupt nicht schlafen und leidest dadurch dauernd an Müdigkeit oder du schläfst den ganzen Tag und schaffst es nicht aus dem Bett zu kommen.
  • Simple Alltagstätigkeiten fühlen sich für dich an, wie riesige Hürden.
  • Du hast enorme Konzentrationsstörungen.
  • In besonders schwerwiegenden Fällen hast du Suizidgedanken oder fängst an dir in Form von  Selbstverstümmelung weh zu tun.

Mama-Spezifisch bei einer Wochenbettdepression

  • Du fühlst dich überwältigt. Deine neuen Verpflichtungen als Mutter überfordern dich komplett – Gedanken wie „Ich schaffe das nicht und werde es auch nie schaffen“ schwirren dir durch den Kopf.
  • Du hast ein schlechtes Gewissen und machst dir selbst Vorwürfe, weil du meinst, deine neue Mutterrolle nicht gut genug zu meistern. Vielleicht fragst du dich, ob dein Baby es ohne dich besser hätte, bzw. glaubst du, dein Kind habe Besseres verdient.
  • Du spürst keine Verbindung zu deinem Baby. Das „Neue Mama Glück“, das dir in den Medien präsentiert wird, kannst du einfach nicht nachempfinden.
  • Du hast beängstigende Gedanken. Zum Beispiel darüber, wie du deinem Kind wehtust oder deine Familie verlässt, von ihr wegrennst, um alles hinter dir zu lassen.
  • Du bist eifersüchtig auf kinderlose Menschen und hältst deine Entscheidung, Mutter zu werden, für einen riesigen Fehler.

Viele Frauen wissen nicht, dass sie PND haben, da die Symptome sich oft nur allmählich bemerkbar machen. Frauen sind für bis zu sechs Monate nach der Geburt ihres Kindes anfällig für Postnatale Depression.

Zudem müssen nicht zwingend alle Symptome auftreten. Eine PND-Betroffene mag nur an wenigen Symptomen leiden und trotzdem deutlich in ihrer Lebensqualität beschränkt sein.

Hilfe suchen bei einer Postnatalen Depression

Postportale Depression

Es kann sein, dass du in deinem allgemeinen Umfeld auf Unverständnis und herablassende Reaktionen stößt, wenn du Menschen von deinem Zustand erzählst.

Versuche nicht an deinen Gefühlen zu zweifeln, wenn dir dies wiederfahren sollte: Es herrscht noch immer eine große Ignoranz gegenüber postnatalen psychischen Erkrankungen. Diese Personen wissen es höchstwahrscheinlich nicht besser.

Mache dir folgende Dinge bewusst:

  • PND ist eine Krankheit wie jede andere auch – dich trifft keine Schuld.
  • Du bist nicht verrückt.
  • Du bist keine schlechte Mutter/ Vater weil du an einer Depression leidest.
  • Dein Baby wird dir nicht weggenommen, wenn du zugibst an PND zu leiden. Dies geschieht nur in sehr extremen Ausnahmefällen.

Wenn du vermutest eine Postnatale Depression zu haben, dann solltest du als ersten Schritt einen Hausarzt aufsuchen: Viele Arbeitsmediziner sind darin ausgebildet Symptome einer  Postnatalen Depression zu erkennen.  

Sollte er dazu nicht in der Lage sein, wird er dich an passende Psychiater und Psychotherapeuten weiterleiten können.

Wenn du ahnst, dass deine Lebenspartnerin oder dein Lebenspartner an einer Postnatalen Depression leidet, ermutige diese/n dazu, sich professionell beraten zu lassen. Dies ist enorm wichtig und kann den Leidensweg deutlich verkürzen.

Behandlung der Postnatalen Depression

Für die Behandlung einer Postnatalen Depression gibt es mehrere Möglichkeiten. Welche davon für dich in Frage kommt, hängt einerseits von deinen Präferenzen ab, andererseits von deinen Bedürfnissen und dem Schweregrad deiner Erkrankung.

Selbsthilfe bei einer Wochenbettdepression:

Selbsthilfe-Strategien reichen manchen Personen aus, um sich vollständig zu erholen. Hierzu gehören unter anderem Ernährungsumstellungen, regelmäßige sportliche Betätigungen, der Erfahrungsaustausch in Selbsthilfegruppen für Postnatale Depression, oder die Verarbeitung der eigenen Gefühle in Form von Tagebuchführung.

Genügend Schlaf- und Ruhezeiten sollten während dieser Zeit ebenso einen besonders hohen Stellenwert für dich haben.

Eine vollkommene Genesung mit Strategien allein gelingt in der Regel nur bei milderen Fällen, jedoch können Sie immer als wunderbare Ergänzung zu anderen Therapien angewendet werden.

Wichtig ist es, dass du dir keine Vorwürfe machst, wenn du es nicht schaffst, dich „auf eigene Faust“ von deiner Depression zu befreien. Dafür gibt es ausgebildete Personen.

Psychotherapeutische Behandlungsmethoden bei Postnataler Depression:

An psychotherapeutischen Behandlungsmethoden haben sich bei dieser Erkrankung bislang zwei Therapien sehr bewährt.

Zum Ersten die kognitive Verhaltenstherapie, eine Gesprächstherapie, die darauf ausgerichtet ist, dein Verhalten sowie deine Denkweise zu verändern. Dir wird geholfen, indem deine negativen Muster in kleinere Komponenten fragmentiert werden.

Wochenbettdepression

Wochenbettdepression

So sind deine Probleme leichter zu bewältigen und dir können Schritt für Schritte Wege aufgezeigt werden, wie du deinen Gefühlszustand verbessern kannst.

Zum Zweiten gibt es die interpersonelle Therapie. Diese Therapie ist zeitlich auf 12-16 Wochen begrenzt und wurde speziell für die Behandlung von Depressionen entwickelt. Im Mittelpunkt dieser Therapie steht die Untersuchung der Beziehungen in deinem Leben, die deine Krise ausgelöst haben könnten.

Dir soll vermittelt werden, wie du die zwischenmenschlichen Konflikte in deinem Leben lösen kannst. Somit sollen deine depressiven Symptome gemildert und allmählich aufgelöst werden.

Medikamentöse Therapien bei Depressionen nach der Geburt:

Wenn nötig, wird dir eine medikamentöse Therapie in Form von Antidepressiva verschrieben.  Antidepressiva sind sogenannte Psychopharmaka, die darauf ausgerichtet sind, deine Symptome zu unterdrücken.

Dies ist auch eines der Defizite einer medikamentösen Therapie, denn sie kann keine Depression heilen. Deine Depression kann lediglich überlagert werden. Ebenso sollte erwähnt werden, dass Psychopharmaka eine Vielzahl von Nebenwirkungen mit sich bringen kann und 30 bis 40% der Patienten kein positives Ansprechen auf Antidepressiva zeigen.

Stationäre Behandlungen bei Wochenbettdepressionen:

Eine weitere Möglichkeit, Frauen mit Postnataler Depression zu helfen, ist die stationäre Behandlung in einer sogenannten Mutter-Kind-Klinik. Diese Einrichtungen sind vor allem für solche Frauen hilfreich, die aufgrund ihrer Depression Schwierigkeiten haben, eine positive Bindung zu ihrem Kind aufzubauen.

In Mutter-Kind-Kliniken können Frauen durch professionelle Hilfe lernen, gewisse Signale ihres Kindes zu erkennen, die sie aufgrund ihrer Depression nicht registrieren konnten.  Es entsteht nach und nach ein nicht-verbales Kommunikationssystem, das Vertrauen, Bindung und Zuneigung entstehen lässt.

Welche Ursachen hat die Postnatale Depression?

Es gibt keine einzige Ursache für Postnatale Depression, sondern mehrere Auslöser, die die Krankheit oft auch in Kombination herbeiführen.

Körperliche Ursachen:

Nach der Geburt gibt es eine beachtliche Veränderung im Hormonhaushalt: Östrogen und Progesteron sinken stark ab.

  • Auch andere Hormone, die von der Schilddrüse produziert werden, sinken.
  • Die Folge der Hormonveränderungen: Du fühlst dich müde, träge und depressiv.

Emotionale Ursachen:

  • Ein neugeborenes Baby kann deine Schlafgewohnheiten komplett auf den Kopf stellen. Wenn du übermüdet und überfordert bist, können dir selbst unbedeutende Probleme schwer zu schaffen machen.
  • Sollte es dein erstes Kind sein, bist du vielleicht besorgt über deine Tauglichkeit, für einen kleinen Menschen volle Verantwortung zu übernehmen.
  • Es kann sein dass du der kinderlosen Zeit deines Lebens hinterhertrauerst: Der Unbeschwertheit, der Spontanität, der Freiheit. Es ist gut möglich, dass du dich so fühlst, als hättest du deine Identität verloren.
  • Vielleicht fühlst du dich unattraktiv und glaubst, dein Körper sei ruiniert.  Vermindertes Selbstwertgefühl wegen Schwangerschaftsstreifen, Gewichtszunahme oder ähnliches könnten dir zu schaffen machen.  
  • Wenn du ein traumatisches Geburtserlebnis hattest, kann es durchaus sein, dass du dieses noch nicht verarbeitet hast und noch immer daran leidest – ob nun bewusst oder unbewusst.
Postportale Depressionen

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Postnatale Depression bei Männern

Frauen leiden sehr viel öfter an Postnataler Depression als Männer. Dennoch sind auch Männer betroffen und sollten ebenso ernst genommen werden wie Frauen.

Neue Väter teilen viele der Ängste, mit denen Mütter zu kämpfen haben und fühlen sich auch oft überfordert. Es heißt, dass etwa 3 bis 10% der Väter Postnatale Depressionen haben.

Zwar scheint die Depression der Partnerin zur Entwicklung der Postnatalen Depression bei Männern mitzuwirken, jedoch kann sie auch unabhängig vom Zustand der Frau entstehen.

Ein auslösender Faktor kann für Männer das Gefühl der Vernachlässigung sein. In der pränatalen Phase und auch in der postnatalen Phase geht es verstärkt um das Baby und um die Mutter. Durch das Stillen wird zwischen Mutter und Kind auch ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis etabliert, das eine starke Bindung mit sich bringt. Diese entwickeln die Väter zumeist erst um einiges später als ihre Partnerinnen. Dies mag ebenso zu einem Gefühl von Isoliertheit und Nutzlosigkeit führen.

Es gibt bis jetzt nur wenige Einrichtungen, die spezifisch darauf ausgerichtet sind, Männern mit Postnataler Depression zu helfen. Dennoch gibt es Unterstützung und Beratung. Wenn du ein Mann bist und an PND leidest kann auch dir geholfen werden!

Prävention einer Postnatalen Depression

Wenn bei dir ein erhöhtes Risiko bzw. eine erhöhte Anfälligkeit für Postnatale Depression besteht, informiere am besten deinen Arzt darüber, sobald du weißt, dass du schwanger bist – oder schon vorher, wenn du planst schwanger zu werden.

Man kann davon ausgehen, dass bei dir ein erhöhtes Risiko besteht, wenn du bereits eine Geschichte von Depressionen, vor allem PND, hast.

Während der Schwangerschaft kann dein Arzt dich genauestens auf die Zeichen einer Depression prüfen. Eventuell kommen hier Depressionsfragebogen zum Einsatz. In manchen Fällen empfiehlt der Arzt schon während der Schwangerschaft Antidepressiva, oft aber nur die anderen oben genannten Hilfsstrategien.

Nach der Geburt empfiehlt dein Arzt womöglich eine frühzeitige postnatale Untersuchung, um auf Symptome von PND zu prüfen.  Solltest du eine Geschichte von PND haben, könnte dir eine Psycho – oder medikamentöse Therapie direkt nach der Geburt empfohlen werden.

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